Fachrichtung eLearning?

  • Ich habe erst vor kurzem dieses Forum hier entdeckt. Ich bin mir nicht sicher ob das Thema hier richtig platziert ist.


    Ich möchte jedoch mal meine Eindrücke als FaMI im Bereich eLearning schildern.
    In der Ausbildung hat man uns eingetrichtert, dass der FaMI Beruf die Zukunft im Bibliothekswesen ist. Das er eines Tages den Bibliothekar ablösen kann/soll. Und das ein FaMI aufgrund der versch. Fachbereiche individuell und flexibel einsetzbar ist.


    In meiner bisherigen „FaMI Karriere“ habe ich die Erfahrung gesammelt, egal wo man landet, dass man es irgendwie von Aufgabenbereich schwer hat. Im Bibliothekswesen gibt es zwar eine Menge Bereiche doch die lassen sich eigentlich schnell zusammenfassen: Ausleihe – Katalogisierung – Beratung/PR – Magazin
    Nachdem ich die Gelegenheit erhalten habe im Hessencampus Dreieich eine Stelle als Leitung des Selbstlernzentrums zu übernehmen hatte ich erst gar keinen Plan um was es geht. Ich war gewohnt „Befehle“ entgegen zu nehmen und die standardisierten Tätigkeiten eines FaMI auszuüben.


    Mittlerweile frage ich meine Schüler und Besucher des SLZ was sie sich unter eLearning denn eigentlich vorstellen. Die meisten antworten dann: „Mitm Computa orbeiden“. eLearning ist mittlerweile viel mehr als nur das. Blended Learning und eLearning sind zwar sehr komplexe Prozesse aber die Vorteile die unsere Schüler hier am Campus haben sind immens. Und das SLZ? Ja das stand leer. Eine kleine Handbibliothek füllte einen von drei Räumen. Bestehend aus 5 Regalen…bestückt mit Literatur zu Politikwissenschaften anno 1970 u.a..


    Mir war klar das der Mist weg mus…also einfach raus damit. Schließlich war ich der Chef und hatte die Entscheidung zu fällen. Keiner hatte am Campus Ahnung von Büchern…ich ja eigentlich auch nicht. Obwohl ich die Ausbildung als FaMI im Bibl.-wesen absolviert habe, haben mich generell die neuen Medien und ihre Möglichkeiten mehr interessiert.


    eLearning…Blended Learning…computergestützes Lernen…Controlling….dideldummdidelda…


    Doch wo setzt man? Es stehen einem 2 Räume zur Verfügung…insg. 42 PC-Arbeitsplätze bestückt mit WinXP und den ganzen Schulkram des „ActiveLearnings“. Einer der Räume ist ein Präsentationsraum…elektronisches Whiteboard, 2 Beamer, Videoaufzeichnung des Klassenraumes, TV Eingang, DVD-Kopierer…usw… Doch was mir noch gar nicht aufgefallen war…ich hatte freie Hand.


    Das erste Mal als FaMI hat mir jemand Verantwortung über eine Einrichtung im Haus gegeben. Wovon die Verantwortlichen keine Ahnung hatten. Niemand kannte den Beruf des FaMI. Und niemand konnte sich etwas darunter vorstellen…achja…Medien und Informationsdienste, „wat mit Computaaan“ bekomme ich immer noch zu hören. Also machte ich mich ans Werk…erschloss Möglichkeiten und guckte wo ich was herkriege. Doch wo setze ich an?


    Über die Monate entwickelte sich dann ein Dialog mit den weiteren Institutionen am Campus. Volkshochschule…Berufsschule…Abendgymnasium usw… Alles potentielle Kundschaft. Eine riesige Zielgruppe konnte ich definieren.


    Doch alle mit Medien versorgen? Nein, ich musste Schwerpunkte setzen. Ich sichtete den Markt. Was gibt es zum Thema eLearning? Uff…eine Menge…eine Menge EDV – Sprachen – Naturwissenschaften. Aber sonst nix. Oder nur wenig Anderes.


    Spulen wir vor.


    Gehen wir davon aus, dass ich mich am Campus etabliert habe. Ich bin fest Bestandteil der Gesellschaft und des Unternehmens „Haus des Lebenslangen Lernens“. Ich werde für meine Arbeit gelobt…moment Mal…gelobt? Im öffentlichen Dienst? Für eine positive Arbeit? Ich kannte bisher nur: Kritik. Und zwar nich zu wenig wenn mal wieder was nicht funzte. Im Gegensatz zur Leistungsbewertung im ÖD, gefällt mir persönliches Lob viel besser. Es motiviert mich. Es macht mich Stolz auf meine Arbeit. Auf das Erreichte. Auf mein Werk. Denn zuvor hatte ich noch nie soviel Freiraum. So viele Möglichkeiten Entscheidungen als FaMI zu treffen und anzufechten.


    Selbst als ich von meinen beiden Chefs zum Essen eingeladen wurde…empfand ich dies als viel Wichtiges als irgendein Schriebs mit einer Leistungsbewertung und einen einmaligen Boni. Geld macht nicht glücklich, heißt es doch. Lob schon.


    Für mich war es neu gelobt zu werden. Das Thema eLearning lag mir mittlerweile ganz gut. Ich wusste nun wer namhafte Hersteller von eLearning Software war…ich wusste wer auf dem Markt anzusprechen war…ich konnte verhandeln…mit Geldern im fünfstelligen bis sechsstelligen Bereichen. Es tat sich eine Tür auf, wovon ich als FaMI nie geträumt hätte…


    eLearning ermöglicht viel. Es ermöglicht unterschiedliche Nutzer an das Thema Computerlernen heranzuführen. Kinder, Schüler, Studenten, Berufstätige, Rentner…


    Es macht mir Spaß ihnen zu helfen – zeigen zu können wie Programme funktionieren. Was das Programm will. Leuten die Angst zu nehmen vorm PC. Die Angst verfliegen zu sehen von Migranten die erst ein paar Wochen in Deutschland sind und sich schwer mit Deutsch tun.


    Der PC weiß das…er setzt dort an.


    Die unterschiedliche Klientel aus Ausländern, Migranten und Bürgern mit dt. Wurzeln, eröffnet einem eine Welt die zuvor verborgen war. Der eine erzählt dass er von der Schule flog weil er die Lehrer bespuckt hat…der andere erzählt von seiner Zeit als Soldat und wie er im Bürgerkrieg in Eritrea gekämpft hat und nun Deutsch lernen will. Damit seine Kinder eine bessere Zukunft haben. Die Welt bewegt sich hin und her.


    Ich denke als FaMI könnte man hier punkten. Der PC wird Bücher nicht ersetzen. Jedoch werden beide Medien parallel existieren und sich ergänzen. Die Ausbildung des FaMI könnte mehr umfassen als sie es tut. Es könnte auch ein neuer Zweig etabliert werden!?


    Menschen Bücher zu empfehlen gehört auch heute noch zu meinem Repertoire. Zwar nicht mehr hauptsächlich – aber es gehört dazu. Und aktuell streben wir Verhandlungen mit der Stadtbücherei hier im Ort an…um eine Kooperation zu schaffen. Menschen Bücher und den PC nahezubringen.


    Ich weiß dass gerade im Bibliothekswesen sehr viele konservative Menschen arbeiten und sie die neuen Medien verteufeln. Doch ich denke, dass diese irgendwann erkennen müssen, dass die Zeit weitergeht. Das die neuen Medien erschlossen und eingesetzt werden müssen.


    Nur so bleibt die Tätigkeit als FaMI interessant.


    Ich bin froh den Weg gegangen zu sein. Die Möglichkeiten erhalten zu haben. Ich könnte auch in einer Stadtbibliothek arbeiten, eine Teilzeitkraft sein und den Tag ein Tag aus Bücher entgegenzunehmen. Aber als FaMI steht euch die Welt offen…


    Und v.a.: punktet mit dem Unwissen der Anderen – die nicht im Bibliothekswesen arbeiten. Sie wissen nicht was ein FaMI kann und können muss. Das bringt Vorteile…und jemand der „Medien“ beherrscht klingt immer gut.

  • Ein interessanter Erfahrungsbericht, wäre auch etwas fü den Blog gewesen.


    Ich habe ihn verschoben, da es in dem anderen Forum speziell um das Elaerning auf fami-portal.de geht.

    Statistik: Die einzige Wissenschaft, bei der verschiedene Experten aus denselben Zahlen unterschiedliche Schlüsse ziehen können. – Evan Esar (1899-1995), amerikanischer Humorist


    ... dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist. - G. W. F. Hegel (Inschrift an der Fassade des Stuttgarter Hauptbahnhofs)


    Der schlimmste Fehler, den man im Leben machen kann, ist ständig zu befürchten, dass man einen macht. – Elbert Hubbard (1856-1915), The Note Book


    »Wir, die guten Willens sind, geführt von Ahnungslosen, versuchen für die Undankbaren das Unmögliche zu vollbringen. Wir haben schon soviel mit sowenig solange versucht, dass wir jetzt qualifiziert sind, fast alles mit nichts zu bewältigen.« (Internetfund)


    Erstaunlich, dass Leute mit wenig Ahnung viel Meinung haben.