Verwirrung pur, Frage zum Aufgabengebiet Fami Bibliothek + Frage Ausbildung vs. Studium

  • Hallo erstmal,


    bevor ich meine Frage stelle, sollte ich glaube ich erstmal erläutern worum es eigentlich geht und wieso die Verwirrung vorhanden ist.


    Ich bin 24 Jahre alt, habe einen Bachelor of Arts in Anglistik/Amerikanistik und Germanistik und hab mich entschieden eine Ausbildung als Fami Bibliothek zu machen.
    Die Sache ist die:


    Als ich mich im Internet umgeschaut habe stand überall so ziemlich das selbe. FaMis haben unter anderem eine beratende Funktion. (Das ist das was mir an dem Beruf mit am besten gefällt, die Möglichkeit individuell zugeschnittene Empfehlungen für Bücher, Filme usw zu treffen)


    So als ich einen Probearbeitstag aka Schnuppertag in einer Stadtbücherei hatte war ich erstaunt von der Leiterin und der anwesende FaMi zu hören, dass Kundenberatung absolut Tabu ist?
    Ausleihe und Rückgabe ja, Bücher wegräumen und kategorisieren ja. Vorschläge für Buchanschaffungen machen = nein; bei Veranstaltungen mitwirken = nein; und wenn jemand kommt und fragt "ich mag so die Art von Büchern können sie da etwas empfehlen?" dann soll man antworten mit "bitte gehen sie nach hinten zur Bibliothekarin" selbst wenn man eine Antwort hätte. :verwirrt:


    Und nun bin ich verwirrt denn die Leiterin meinte ihre kleine Bibliothek würde das so trennen, aber alle größeren Bibliotheken/ Büchereien würden da noch viel mehr auf eine strikte Trennung achten.


    Sie meinte außerdem ich sollte mir gut überlegen ob ich nicht in Stuttgart an der Hochschule doch nochmal ein Studium zur Bibliothekarin machen will. Aber da bin ich jetzt nicht so ganz sicher ob ich dann wirklich Bibliothekarin wäre. Zudem kann ich mit meinem Bachelor den Master dort nicht machen und müsste nochmal einen Bachelor machen. :/


    Und jetzt muss ich mich entscheiden ob ich die Ausbildung mache oder versuche einen Studienplatz zu kriegen (würde mich natürlich nicht nur in Stuttgart bewerben).


    Was mich jetzt zu meiner Frage führt.


    Dürft ihr als FaMi Bibliothek beraten und Empfehlungen treffen oder stimmt das mit der strikten Trennung?


    (An der Antwort hängt gerade meine ganze Entscheidung, darum wäre ich über Antworten sehr sehr dankbar =)

  • Huhu :-)


    Also es gibt kein Gesetz das dir verbietet zu beraten. Jedoch ist das stark von deinem Betrieb abhängig. Wenn es dort so geregelt wird das die Bibliothekare beraten, dann ist das halt deren Aufgabe. Es gibt bestimmt auch Biblios die das was lockerer sehen. Sowas würde ich an deiner Stelle direkt im Bewerbungsverfahren bzw. vielleicht schon vorher fragen.


    Aber ich glaube du wirst mit deinem Abschluss und deinen Erwartungen mit dieser Ausbildung unzufrieden sein. Am besten machst du mal ein längeres Praktikum in einer anderen Bibliothek, um mal die Tätigkeiten kennenzulernen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Falconian ()

  • also kenne ich auch von Praktikumsbibliothek da war ich entsetzt, laut Rahmenlehrplan und Ausbildungsinhalte in Hessen (keine Bundesweite Regelung) müssen wir Hessen Famis Infodienste machen, zumindest hieß es das immer bei uns-

    » "So do all who live to see such times but that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given to us."Lord of the Rings

  • Aber ich glaube du wirst mit deinem Abschluss und deinen Erwartungen mit dieser Ausbildung unzufrieden sein.

    Kann man, finde ich, nicht so pauschal sagen. Ich z.B. bin mit meinem Aufgabenbereich hier sehr zufrieden und es entspricht auch meinen Erwartungen, die denen scarletqueen ähneln. Ich arbeite in einer kleinen Stadtbücherei, bin komplett eigenverantwortlich für den Nonbook-Bereich zuständig (also auch für Auswahl und Einkauf der Medien), mache viel Veranstaltungsarbeit (vor allem im Kinderbereich wie Lesenächte und Vorlesestunden) und natürlich auch Beratung. Sei es zu Recherchetipps oder zu dem oben geschilderten Fall "Können Sie mir einen Roman empfehlen?" usw.


    Ja, leider gibt es viele (gerade auch große oder wissenschaftliche Bibliotheken) die dem FaMI nur rein die Verbuchung und Regalordnung zutrauen, obwohl wir in unserer Ausbildung viel mehr lernen. Aber es gibt auch Bibliotheken, die den FaMI wirklich als FACHkraft einsetzen. Und ich habe den Eindruck dieser Anteil steigt gerade im Bereich der öffentlichen Bibliotheken. Denn ein FaMI ist billiger als ein Bibliothekar und in immer mehr Gemeinde- und Kleinstadtbüchereien gibt es sogar gar keine Bibliothekare mehr. Da ist der FaMI dann die einzige Fachkraft oder es gibt sogar gar keine.


    Von einem Studium würde ich daher abraten. Es sei denn Du willst in den WB-Bereich. Im ÖB-Bereich bin ich mir sicher, dass der FaMI mehr Zukunft hat. Eben allein schon aus dem Gesichtspunkt, dass die Kommunen gerne am Bibliothekspersonal sparen und der FaMI die kostengünstigere Wahl ist. Und einmal den Bachelor in dem Bereich in der Tasche stellt Dich niemand mehr auf einer FaMI-Stelle ein. Umgekehrt habe ich es schon erlebt, dass ein Bachelor ODER ein FaMI für die gleiche Stelle gesucht wurde.

    «Bibliotheken in Krisenzeiten zu schliessen, ist wie Krankenhäuser während der Pest zu schliessen.»


    (aus spanischen Protestbriefen gegen die Einsparungen im Kulturbereich)



    "Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun,
    werden das Antlitz dieser Welt verändern"
    (Sprichwort der Xhosa)

  • Hey scarletqueen,


    ich arbeite in einer Öffentlichen Bezirkszentralbibliothek und auch mein Aufgabenbereich geht weit über die Medien(rück-)sortierung und das kassieren von Strafgebühren hinaus. Ich berate regelmäßig Leser an einer Info-Theke, mache Führungen und habe auch eigene (kleine) Bereiche, für die ich Medien erwerben und eigenständig systematisieren darf. Die meisten meiner FaMI-Kollegen haben vergleichbare Aufgaben in anderen Bereichen.


    Während der Fachpraktika in meiner Ausbildung habe ich mitbekommen, dass auch andere Einrichtungen den FaMI zur Beratung einsetzen, selbst die Info-Abteilung einer WB.


    Auch wenn ich froh bin andere Aufgabenbereiche zu haben, die über die drögen Routinetätigkeiten hinausgehen, so muss ich doch sagen, dass es auch seine Schattenseite hat wenn man als FaMI diesen Tätigkeiten nachgeht. Man ist (vor allem als Berufsanfänger) in vielen Einrichtungen in der untersten Entgeltgruppe für FaMIs eingruppiert, obwohl man eigenverantwortliche selbstständige bibliothekarische Tätigkeiten übernimmt.


    Insofern muss ich da der Bibliothek aus deinem Beispiel eher ein Lob aussprechen. Auch wenn ich persönlich die Arbeitsweise auf die Dauer nicht aushalten würde, so scheinen die FaMIs dieser Bib wenigstens nur die Aufgaben zu machen für die sie bezahlt werden. Und ich kenne auch Kollegen, die mit diesem Tätigkeitsfeld vollkommen zufrieden sind.


    Nur als Ausbildungsstelle würde ich mir dringend eine andere suchen, sonst läufts Du Gefahr gleich von vorne rein viele Aspekte unseres Berufes zu verpassen.

  • Ich sitze auch auf einer E5-Stelle, obwohl ich bei meinem Aufgabenbereich sicher mindestens eine E6 verdienen müsste. Aber lieber habe ich Tätigkeiten für die ich theoretisch unterbezahlt bin, als dass ich mich langweile. Und ganz ehrlich: sooo groß ist der Unterschied zwischen den Entgeltgruppen auf dem Gehaltszettel auch nicht. Allerdings würde ich als ausgelernter FaMI niemals eine Stelle unter E5 annehmen!

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    (aus spanischen Protestbriefen gegen die Einsparungen im Kulturbereich)



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