Beiträge von RCHVST

    Es geht mir v.a. darum, dass wir mit dem Abschluss erst mal voll die Schneeflocken sind und zudem in Deutschland das Quereinsteigertum nicht wirklich existiert, sodass bspw. spätere und aus welchen Gründen auch immer notwendige Arbeitgeberwechselbestrebungen derb was von seidenen Faden haben.

    Die Ausbildung attraktiver zu gestalten, ist prinzipiell eine gute Sache - wenn halt der Beruf respektive die berufliche Zukunft es hergibt. Nicht erst, wenn die Verrentungswelle ein Tsunami ist.

    Natürlich werden die Stellen kommen, Bandicoot ; und natürlich sind die befristeten oft Sprungbrett in die Unbefristung, Mela89 .


    Allerdings muss man die Zeit bis zur Niederkunft erst einmal überbrücken und "nur" weil Leute sich in den Ruhestand verabschieden, werden ja nicht 1:1 neue Verträge geschlossen.

    Das Sprungbrett derweil hatte ich auch mal genommen, allerdings just deshalb, weil ich durch einen Zufall wusste, dass das Fristdingen nur die Fußmatte auf dem Weg hinein war; und auch wenn's in meinem Fall nicht Teil meines Problems war: Wer zieht für eine befristete Stelle durch die Republik?

    Irgendwie ist's ja schon immer schön, wenn man bzw. die präsentierten Bestände weiterhelfen können.

    Lässt man vielleicht die Technikenthusiasten außen vor, die sich ganz schön zügeln müssen, nicht rauszuhauen, dass "wir" damals (ca. 1945) hätten gewinnen müssen.

    Ausschussware habe ich auch schon oft genug kennen lernen dürfen - was tatsächlich schon in der eigenen Berufsschulklasse begann (als wäre das UBA Auffangbecken für Schüler*innen mit besonderem Förderbedarf).


    Den Ausbildungsberuf zu pushen... puh: Und wo sind die unbefristeten Vollzeitstellen für die Zeit nach HiWi-tum mit Anlernskill (vulgo: Ausbildung)?

    Okay, ist vielleicht auch mehr Frage der Fachrichtung, aber eben talking about Archiv ist die Welt nur halb hübsch und da würde ich nur ungern Ausbildungsplatzsuchende hineinverführen bzw. lieber in Richtung "Verwaltungsfachangeszellter" lotsen.

    Ich wollte "was mit Medien" machen und dann steht nach zig Standardbewerbungen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung was arg kurzfristiges: Das Brandenburgische Landeshauptarchiv sucht 'nen Azubi.

    Zwischen diesem Moment und meinem ersten Tag lagen gute zwei Wochen, in denen gab's einen Eignungstest at first (um aus knapp 130 Nasen vorauszuwählen) und etwas später das Vorstellungsgespräch.


    Vom Beruf(sbild) hatte ich keinerlei Plan und konnte im genannten Test auch nicht ansatzweise alle fünf Fachrichtungen zusammenstammeln - dafür habe ich aber als einziger ein fehlerfreies* Antwortschreiben texten können.

    Letztlich aber steiles Setting weil insbesondere in so 'nem Archiv alles da ist: Da überrascht dich in der Berufsschultheorie nichts. Und personell war's auch kein Abfuckzeit...


    ...trotzdem froh, raus zu sein; Lernender zu sein ist mein Ding nicht.


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    *abgesehen vom nichtausgedachten Geschäftszeichen und dass man in der alten preußischen Heimat mit "fernerdessen" nichts anfangen konnte

    So, wie Bibliotheken lieber Bibliotheks-FaMIs nehmen, läuft das eben auch in Archiven; partiell verständlich, da die eine Fachrichtung etwas formeller, die andere eben anders fokussiert ist.

    Insofern trotzdem sch***e, als das mit den Fachrichtungen ja mal als Durchlässigkeitsoption gedacht war und - wenn wir mal ganz ehrlich sind: Dad ist alles keine theoretische Astrophysik mit Bonusschwierigkeitsgrad A+.


    Leider aber und wie so oft: Für den Wechsel braucht's Glück, das lässt sich - zumal in dieser Richtung - kaum forcieren.

    Der Markt ist eh arg Bib.-lastig, also ist das gemeine Archiv(wesen) fast schon protektionistisch veranlagt und nimmt dann auch lieber intellektuelle Rückstände aus der eigenen Sphäre.


    Daumen kann ich aber trotzdem gerne drücken.

    Noch eine andere Frage, die mich noch interessieren würde zwecks der Berufsschule:

    Ich habe jetzt schon öfter von einigen meiner Kollegen gehört, dass der Unterricht, vor allem für Leute mit Abi/Fachabi eher weniger fordernd war.

    Stimmt ihr dem auch zu? Beziehungsweise wie waren eure Erfahrungen so?

    Wäre natürlich schon entspannend, wenn die Berufsschule nicht ganz sooo stressig wird, wenn ich dafür schon immer extra nach München muss... :D

    Ich hatte nicht mal wirklich Mittlere Reife, sondern nur so ein bayerisches Notkonstrukt mit mauem Ergebnis; Bildungswesenbashing regional lasse ich nicht gelten: Ausbildung in Berlin/Brandenburg und es war so ein Popel von grünem Rotz easy.


    Deutsch gab's ohnehin nur im dritten Jahr und die Abschlussprüfung war ein Diktat. Ja, lasst das erst mal sacken.

    Nervig war der Wirtschaftskundekram, der wihl direkt von ver.di gesponsort wurde; Hauptfach insofern noch schlimmer, weil die ersten anderthalb fachübergreifenden Jahre tatsächlich zu 90 Prozent aus Bib'driss bestand.


    In der Summe waren die Berufsschulblöcke wie Urlaub mit Anwesenheitspflicht und hatten den netten Nebeneffekt mal nicht mit Menschen jenseits der 50 zu tun zu haben.

    Wie wär's einfach mit den persönlichen, so ganz der Wahrheit entsprechenden?

    Also zumindest nichts selbstdisqualifizierendes.


    Außerdem hängt's stark von den Leuten auf der anderen Seite des Tisches ab.

    Ich hatte ein Gespräch, in dem ich zugeben konnte, dass Archiv nie mein Plan war und ich halt "was mit Medien" machen wollte; in einem anderen kam ich tatsächlich damit durch, dass meine Schwäche ist, keine zu haben.