Thema des Monats Juli 2006: Schulische Weiterbildung II

  • Probieren geht über Studieren?


    Im letzten Thema des Monats ging es darum, wie man mit Hilfe weiterführender Schulen die Fachhochschul- bzw. Hochschulzugangsberechtigung erhält.
    In diesem und folgenden Themen des Monats werden nun die Studiengänge vorgestellt, die für FaMIs interessant sein dürften, wie beispielsweise Dokumentar/in oder Bibliothekar/in.


    Im folgenden Text wird davon ausgegangen, dass eine Ausbildung im dualen System schon abgeschlossen wurde. Natürlich kann man die folgenden Studiengänge auch wählen, wenn man frisch vom Abitur kommt.


    Die wichtigste Frage ist wohl, ob sich ein Studium in der heutigen Zeit noch lohnt.


    Die Antwort ist relativ einfach: Ja. Wer die zeitlichen, geistigen und finanziellen Mittel hat, tut sich nicht schlechtes, wenn er Studieren geht.[stopper]


    Zum einen stehen mit einem Studium die Chancen besser, Arbeit zu finden. Die Anforderung an arbeitssuchende werden immer höher und Stellen mit geringen Anforderungen an die Bewerber werden immer geringer, da eine Spezialisierung in nahezu jedem Bereich nötig ist.


    Laut der Agentur für Arbeit lässt sich in den letzten Jahren ein Trend zu Höherqualifizierung feststellen, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit investieren die Menschen mehr Mittel in ihre Bildung um dieser zu entgehen. Vor allem in den Dienstleistungsbereichen ist dieser Trend vermehrt zu beobachten. Gerade in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Organisation und Management sowie Beratung werden verstärkt Menschen mit akademischen Abschlüssen eingesetzt. Durch den Geburtenrückgang seit 1990 ist ab ca. 2010 damit zu rechnen das der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften nicht mehr gedeckt werden kann. Kurz um, es könnte bald passieren, dass der Bewerber sich aus 10 Angeboten die Stelle aussuchen kann.


    Statistiken belegen, dass je höher man beruflich qualifiziert ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden.


    Kurz zusammengefasst, die Vorteile eines Studiums sind:


    • Bestimmte berufliche Ziele lassen sich nur über ein Studium erreichen
    • Für gehobene berufliche Positionen (mit der entsprechenden Verantwortung und Bezahlung) wird vielfach ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorausgesetzt.
    • Der Trend zur Höherqualifizierung hält an und Akademiker/innen unterliegen einem deutlich geringeren Arbeitslosigkeitsrisiko als Angehörige anderer Qualifikationsgruppen.
    • Ein Studium bietet eher die Möglichkeit, wissenschaftliche Interessen zu befriedigen und intellektuelle Fähigkeiten für ein breites Berufsspektrum zu entwickeln.


    Bevor man in die Welt der Studentenparties und Hörsäle eintaucht, sollte man sich informieren, welche Studiengänge für einen interessant sind und an welchen Hochschulen diese studiert werden können.
    Welche Hochschularten in Frage kommen und welche Abschlüsse man erwerben kann.
    Gibt es Zulassungsbeschränkungen oder werden Auswahltest durchgeführt?
    Welche Bewerbungs- und Einschreibefristen gibt es?
    Wie ist das Studium strukturiert, wie sieht speziell das Grundstudium aus?
    Wie ist der Hochschulort und Campus strukturiert, wie sieht die Wohnsituation aus?
    Entspricht der gewählte Studiengang den Begabung, Fähigkeiten und Interessen?
    Welche finanziellen Fördermöglichkeiten ([lexicon]Bafög[/lexicon], Stipendien, Darlehen usw.) gibt es?
    Gibt es Bewerbungs- und Einschreibefristen?


    Eine gute Hilfe zu diesen und vielen weiteren wichtigen Fragen ist das Portal von
    http://www.studienwahl.de


    Im Monat Juli stellen wir nun den Beruf des Dokumentar etwas näher vor.


    Dokumentare können in den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten, beispielsweise in Museen, Archiven, Versicherungen oder in Forschungseinrichtungen, als Informationsvermittler in Unternehmen oder beim Support in Software Unternehmen.
    Ihre Hauptaufgaben sind das inhaltliche Erschließen und Recherchieren von Dokumenten, das Informationsmanagement sowie der Aufbau und die Pflege von Informationssystemen.


    Als Studiengang kann man den „Diplom-Dokumentar“ bzw. „Diplom-Informationswirt“ (je nach Hochschule) in 8 Semestern an Fachhochschulen studieren. Die Ausbildung umfasst z. B. den Erwerb von Fertigkeiten in formaler und inhaltlicher [lexicon]Erschließung[/lexicon], wirtschaftliche Grundlagen, aber auch Kenntnisse über die Bedeutung von [lexicon]Dokumentation[/lexicon] in Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und in den Medien. Zu dem Studiengang gehört in der Regel ein bis zwei Praxissemester. Eine Spezialisierung in einem Fachgebiet ist ebenfalls möglich.


    Ausführliche Informationen rund um den Dokumentar gibt auf der Website der DGI:
    http://www.dgd.de/ausbildung/berufsbild.html


    und bei wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentar


    Diesen Monat haben wir zur Unterstützung eine Dokumentarin zum Interview geladen, die den Studiengang postgradual, also nach einem abgeschlossenem Studium, an dem Institut für Information und [lexicon]Dokumentation[/lexicon] der Fachhochschule Potsdam (IID), abgeschlossen hat.


    Der Vorteil dieses zweijährigen Studienganges ist es, dass es nicht so wichtig, ist in welchem Fach man seinem Abschluss (meist Magister oder Staatsexamen) gemacht hat.
    In einem zweijährigen Volontariat, beispielsweise im Schall- oder Fernseharchiv eines Senders oder im Text- oder Bildarchiv einer [lexicon]Zeitung[/lexicon], sammelt man im ersten Jahr praktische Erfahrungen, die man im zweiten Jahr um eine theoretische Kenntnisse ergänzt. Diese werden in sechs Blöcken im Umfang von 14 Wochen am IID vermittelt.Die Themengebiete umfassen Informationsmanagement, Informationsretrieval, Inhaltliche [lexicon]Erschließung[/lexicon] und Aufbau von Informationssystemen. Am Ende wird eine Abschlussarbeit angefertigt und eine mündlichen Prüfung abgelegt.


    Nun zum kleinen Interview mit unserer Dokumentarin:


    Frage: Wie bist du auf den Studiengang Dokumentar aufmerksam geworden?
    Antwort: „Ich wusste schon im Studium, dass ich mich in diese Richtung spezialisiere. Während des Studiums habe auch bereits in diesen Bereichen gearbeitet, z.B: im Haus der Geschichte.“


    Frage: Was muss man deiner Meinung nach können, um Dokumentar zu werden?
    Antwort: „Ich denke man sollte ein großes Allgemeinwissen mitbringen und dieses auch ausbauen wollen. Man sollte Spaß am Sortieren und Aufräumen haben. Technisches Verständnis sollte ebenfalls vorhanden sein, da man sich z.B. auch um Datenbanksysteme kümmert.
    Ausdauer und eine Gewisse Zähigkeit sollte man auch besitzen, da gewissen Sachverhalte immer wieder überprüft werden müssen oder Gegenrecherchen durchgeführt werden.“
    Man sollte systematische arbeiten können und belastbar sei, da mitunter unter Zeitdruck gearbeitet werden muss, wenn Deadlines zu erfüllen sind. Ganz wichtig ist auch, dass, man eine Dienstleistungsmentalität mitbringt, man macht diesen Beruf für den Kunden und nicht für sich selber. Dementsprechend sollte man die Ergebnisse auch präsentieren.“


    Frage: Was ist das Schönste an deinem Beruf?
    Antwort: „Zum einen das Erfolgserlebnis bei der [lexicon]Recherche[/lexicon], wenn man eine schwerzubekommende Information ausfindig gemacht hat. Beim Dokumentieren der Wissenszuwachs und das Ordnen. Die Funktionsweisen von Datenbanken interessieren mich auch sehr und ich finde es interessant zu sehen, wie diese Sachen funktionieren.
    Des weiteren achtet man mehr auf die Eigenheiten von Sprache sowie die Probleme die mit Synonymen u.ä. auftreten können.“


    Frage: Was ist die Schattenseite dieses Berufes?
    Antwort: „Mitunter kann es doch recht Eintönigsein, vor allem wenn man einen Stapel von etwas hat, den man abarbeiten muss.“


    Frage: Kannst du Jugendlichen heute empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen?
    Antwort: „Ich denke ein großer Vorteil der FaMI-Ausbildung ist die Vielseitigkeit, z.B: bekommt man auch wirtschaftliche Grundlagen vermittelt, die im Studium nur sehr oberflächlich behandelt worden. FaMIs sind vielseitig einsetzbar und sehr viel günstiger als bspw. Ein wissenschaftlicher Dokumentar. Auch die Gemeinden haben weniger Mittel, deshalb werden sie vielleicht vermehrt FaMIs einstellen.
    Ein Nachteil könnte sein, dass die Spezialisierung nicht genau genug ist.
    Ich denke das der Beruf Zukunft hat, vor allem in Hinblick auf die Aufbereitung von Inhalten, z.B. bei Suchmaschinenbetreibern. Diese sind leicht zu manipulieren und der Bedarf an Suchkatalogen wird meiner Meinung nach in der Zukunft stark steigen, da diese Aufgabe per Computer nur sehr unbefriedigend durchgeführt werden kann. FaMIs sind genau die Fachleute, die dieser Informationsflut Herr werden können.
    Auch die Nachfrage nach Dienstleistungen wird steigen, auch da sehe ich Einsatzmöglichkeiten für FaMIs, z.B. als Informationsbroker oder Researcher.“


    Weiter Informationen rund um Studieren findet man unter:


    http://www.unicum.de/
    http://www.studienwahl.de
    http://www.studieren.de/


    Der Berufsverband für Dokumentare und FaMIs [lexicon]FR[/lexicon] [lexicon]IuD[/lexicon] ist die DGI:
    Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V.


    http://www.dgd.de/


    Quellen: studienwahl.de
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentar
    Interview


    Dieser Beitrag wurde nach bestem Wissen und Gewissen verfasst, Irrtümer vorbehalten. Feedback, Ergänzungen und Verbesserungsvorachläge sind jederzeit herzlich willkommen.

    "Ich bin nicht weise, dafür bin ich zu intelligent. Ich weiß zu viel um irgendetwas anderes zu empfinden als blankes, panisches Entsetzen."