Thema des Monats Februar 2006: Das Bewerbungsgespräch

  • Der Gesprächsrahmen


    Ein Bewerbungsgespräch wird in der Regel von 2-3 Personen (Interviewer) des Unternehmens geführt, bei kleinen Firmen zuweilen nur von einer Person. Am Gespräch sind normalerweise der entsprechende Abteilungs- / Gruppenleiter und der Leiter der Personalabteilung beteiligt (bzw. deren Vertretung). Das Gespräch kann in der Gruppe oder nacheinander stattfinden.
    Eine Entscheidung über eine Einstellung wird normalerweise nicht sofort am Ende des Gespräches bekannt gegeben. Entweder sichert das Unternehmen zu, sich in den nächsten Tagen zu melden, oder der Bewerber wird gebeten, sich für ein zweites Gespräch in den kommenden Tagen zur Verfügung zu halten. Beides hat zunächst nichts weiter zu bedeuten, hier muß man als Bewerber abwarten. Sollte sich das Unternehmen innerhalb des abgemachten Zeitraums nicht melden (Anrufbeantworter einschalten!), so muß der Bewerber hier natürlich freundlichst nachhaken.
    Die Einladung zu einem zweiten Gespräch zeigt entweder, daß man bei mehreren Bewerbern in die engere Auswahl gehört, oder daß sich eine weitere Person aus dem Unternehmen ein Bild machen möchte.[stopper]


    Im Gespräch wird das Unternehmen prüfen, ob die Motive, Wünsche und Ziele des Bewerbes nicht mit den Zielen des Unternehmens in Konflikt stehen. Außerdem soll das Gespräch zeigen, ob die 'Chemie' zwischen Interviewer und Bewerber stimmt und der Bewerber ins Team paßt. Die zwischenmenschliche Beziehung ist ein nicht zu unterschätzender (Konflikt-)Punkt. Etwa 80% aller Fehlbesetzungen sollen ihre Ursache in einer nicht stimmenden 'Chemie' haben.


    Was wird prinzipiell besprochen?


    Das Bewerbungsgespräch dreht sich für das Unternehmen im wesentlichen um folgende Punkte:


    - Warum will der Bewerber hier arbeiten?
    - Hat er eine Vorstellung von den Aufgaben und Anforderungen, die ihn erwarten würden?
    - Was kann er leisten?
    - Was für eine Person ist er, paßt er ins Team?
    - Hat er besondere Kenntnisse und Fähigkeiten?
    - Wann könnte er beginnen und wie sehen die Gehaltsvorstellungen aus?


    Auf diese Fragen -seien sie nun direkt oder indirekt gestellt- muß der Bewerber vorbereitet sein. D.h. er darf keine Standardantworten runterleiern, sonder er muß zeigen, daß er sich mit diesen Punkten auseinandergesetzt hat und sich seiner Fähigkeiten und seiner Entscheidung bewußt und sicher ist.


    Die Frage 'Was hebt Sie von anderen Bewerbern ab?' ist als solches unsinnig, denn ein Bewerber wird in den seltensten Fällen die Mitbewerber kennen. Er sollte diese Frage als Frage nach seinen persönlichen Stärken verstehen. Die Fachkompetenz steht beim Bewerbungsgespräch im Hintergrund, denn das Unternehmen konnte sich hiervon durch die Bewerbungsunterlagen überzeugen, ansonsten wäre der Bewerber nicht eingeladen worden.


    Welche Eigenschaften muß ein Bewerber mitbringen?


    Im Gespräch wird sich der Interviewer auf die Teamfähigkeit des Bewerbers konzentrieren, auf sein Auftreten, seine Persönlichkeit, seine soziale Kompetenz und seine Kommunikativität. Ein Bewerber muß in der Lage sein, Sachverhalte klar strukturiert und verständlich darstellen zu können. Er muß bereit sein, von gleichgestellten Kollegen Aufgaben übertragen zu bekommen, selbst in einem Team die Führung zu übernehmen und diese auch wieder abzugeben. Er muß vorausschauend, eigenständig und proaktiv in einem Team arbeiten können. Ein Bewerber muß darüber hinaus fähig sein, an Kollegen Aufgaben und Verpflichtungen in einer überzeugenden, aber vor allen Dingen motivierenden Form, vermitteln zu können.


    Was hat der Bewerber zu beachten?


    Der Bewerber muß prüfen, ob die Rahmenbedingungen (Gehalt, Position, Tätigkeitsfeld, ...) für ihn zufriedenstellend sind und ob er sich in diesem Unternehmen wohl fühlen könnte. Entscheidend ist hier wohl in erster Linie das 'Bauchgefühl', denn ein Bewerbungsgespräch von 30-60 Minuten und eine eventuellen Führung durch die Büros erlauben natürlich nur einen begrenzten Einblick in das Unternehmen und seine Mitarbeiter.


    Ein Bewerbungsgespräch das 'glatt gelaufen' ist bedeutet nicht, daß man den Job schon in der Tasche hat.


    Skepsis sollte angesagt sein, wenn der Interviewer am Ende des Gespräches einen fertigen Arbeitsvertrag aus der Schublade zieht und dem Bewerber zur (sofortigen) Unterschrift vorlegt. Man sollte sich mindestens einen Tag Bedenkzeit nehmen können.


    Einige Regeln für eine telefonische Kontaktaufnahme


    Bereiten Sie sich auch bei einer telefonischen Anfrage vor, wie auf ein persönliches Bewerbungsgespräch. Es besteht immer die Möglichkeit, daß sich aus einer Anfrage ein längeres Gespräch entwickelt, allerdings nur, wenn Sie dem Gesprächspartner auch 'etwas bieten' können und ihn nicht langweilen.


    Montags morgens ist so ziemlich der ungünstigste Zeitpunkt für derartige Anrufe, gefolgt von Freitags Nachmittag.


    Stellen Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen zusammen und legen Sie sich diese zum Telefonat zurecht; sortiert, aber nicht geheftet. Machen Sie sich vorab auch Gedanken über Ihre Gehaltsvorstellungen und Ihre Fragen an das Unternehmen.


    Erfragen Sie an der Rezeption/Vermittlung nach einem zuständigen Mitarbeiter für Personal- und Einstellungsangelegenheiten. Notieren Sie sich den Namen und lassen Sie sich verbinden. Die direkten Durchwahlen werden in der Regel von der Rezeption nicht bekannt gegeben. Ist niemand zu erreichen, erfragen Sie einen günstigen Termin für einen erneuten Anruf.


    Rufen Sie von einem ruhigen Ort aus an, ohne Hintergrundgeräusche. Gehen Sie davon aus, daß sich aus Ihrem Anruf ein Gespräch von durchaus 30 Minuten und länger entwickeln kann.


    Sie müssen Fragen zum Lebenslauf (und evtl. Lücken) spontan beantworten können, sowie alle in Vorstellungsgesprächen gestellten Fragen.


    Machen Sie sich Notizen zum Gespräch (mehrere Kugelschreiber + Block bereitlegen) und halten Sie so den Gesprächsverlauf fest. Notieren Sie Fragen und Antworten.


    Bedanken Sie sich für das Gespräch und die zur Verfügung gestellte Zeit.

    Statistik: Die einzige Wissenschaft, bei der verschiedene Experten aus denselben Zahlen unterschiedliche Schlüsse ziehen können. – Evan Esar (1899-1995), amerikanischer Humorist


    ... dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist. - G. W. F. Hegel (Inschrift an der Fassade des Stuttgarter Hauptbahnhofs)


    Der schlimmste Fehler, den man im Leben machen kann, ist ständig zu befürchten, dass man einen macht. – Elbert Hubbard (1856-1915), The Note Book


    »Wir, die guten Willens sind, geführt von Ahnungslosen, versuchen für die Undankbaren das Unmögliche zu vollbringen. Wir haben schon soviel mit sowenig solange versucht, dass wir jetzt qualifiziert sind, fast alles mit nichts zu bewältigen.« (Internetfund)


    Erstaunlich, dass Leute mit wenig Ahnung viel Meinung haben.