schlimmstes Erlebnis

  • Wahrscheinlich hat sie da ihre Medikamente genommen.
    So wie wir es eben bei Herrn Eichhorn in der Fortbildung hatten. Viele sind sich selbstüberlassen und müssen ihre Medikamten selbständig nehmen, tun es aber leider nicht regelmässig. Da kann dann schon auch so ein "Aussetzer" zu Stande kommen! Wenn sie nämlich das nächste Mal völlig normal erschien.


    Aber ich kann dich da sehr gut verstehen, das sitzt und man möchte das nie wieder erleben. Und ich finde es wirklich oft genug eine Zumutung, dass wir uns mit sowas abgeben müssen, die normalerweise in einer Klink oder ähnlichem besser aufgehoben wären. Denn ich für mich denke auch, dass diese Menschen völlig unberechenbar sind und wir als "Bibliotheksmitarbeiter" in keinsterweise geschult sind. Hier kann Dir oft nur der "gesunde Menschenverstand" helfen... oder manchmal eben nicht.
    Aussitzen und auf das Beste hoffen :)

  • Mein schlimmstes Erlebnis... das war zum einen mein Praktikum in einem Archiv, das drei Monate lang dauerte. Ich fuhr täglich über zwei Stunden (die Wartezeit an den drei verschiedenen Haltestellen nicht einberechnet), dafür dass ich praktisch den ganzen Tag alleine in einem halbleeren Raum saß und nichts zu tun hatte. Der, der für mich zuständig war, hatte so gut wie nie Zeit. Wenn ich Aufgaben bekam, dann nur absolut monotone und verdummende, wie zum Beispiel das Umheften von Akten (und das Entfernen von Heftklammern, Tesafilm etc.) oder die Digitalisierung von Fotos bzw. Einscannen. Es war zum Verzweifeln... keine Ahnung, wie ich das so lange durchhalten konnte.
    Dann war da noch mein letztes Praktikum, auch drei Monate, in einem Bildarchiv. Manche Aufgaben waren spannend, aber größtenteils waren sie auch dort so monoton, dass ich große Schwierigkeiten hatte, mich wach zu halten. Zudem war meine Ausbilderin da eine Hexe. Ich merkte schon zu Beginn, dass sie mich irgendwie nicht leiden konnte oder zumindest nicht einsah, auch nur einen Funken Freundlichkeit an den Tag zu legen. Am ersten Tag sagte sie mir, sie wolle sich nicht die Mühe machen, meinen Nachnamen auszusprechen, und stellte mich bei den Kollegen mit meinem Vornamen vor, was mir höchst unangenehm war -_- Und als ich ihr, auch zu Beginn, mitteilte, dass ich leicht hörgeschädigt sei, erwiderte sie nur: "Ja, das hat man gemerkt." Ich hätte sie am liebsten an die Wand geklatscht. Und oft saßen wir zusammen in einem Raum und schwiegen uns nur an. Und sie verlangte von mir, dass ich meine Pausen im Aufenthaltsort verbringe - die anwesenden Kollegen hatten sich anscheinend nix zu sagen und es herrschte Stille in diesem Raum. Yeah!

    When all else fails
    Remember
    Always
    The open road

    (Patrick Wolf)

  • Umgang mit den schwierigen Kunden...

    Der Drogi, der sich bei uns auf der Herrentoilette die Nadel setzte, der Penner aus England ('"I'm on my way to Rome! There is the sun..."), der mit der Rotweinflasche im Arm einschlief, die von ihren Eltern vergessenen Kinder in der Kinderbibliothek, die Jugendlichen, die uns als Punchingball benutzten, am schlimmsten fand ich allerdings die herrischen Helikoptermütter... ;)


    Ich wurde mal von jemandem gefragt, was ich beruflich mache und ich meinte nur: Rat doch mal!

    In meinem Beruf wurde ich in den letzten 3 Jahren (unausgesprochen: nach dem Umzug der Bib an den neuen Standort):

    - angespuckt

    - geschlagen

    - sexuell genötigt

    - mit dem Tode bedroht

    - beschimpft

    - mit Gegenständen beworfen

    - beleidigt

    - und mir wurde der Stuhl unterm Hintern weggezogen

    Antwort: Oh! Bist du Krankenschwester?

    Ich: Nein: Bibliotheksangestellte

    *Peinliches Schweigen*

    Gottseidank ist das alles Schnee von Gesten - doch: meine Schwester ist Krankenschwester und genau so sieht ihr Tagt aus (sie genießt es fast, das ihre Station seit 1 Jahr Corona-Station ist und dort Besuchsverbot herscht). Seid also nett zu dem Pflegepersonal, wenn ihr dort seid ;)


    In meiner neuen Bibliothek war das Schlimmste wohl der Unfall, ansonsten arbeite ich im Paradies!

    Als ich dort hinversetzt wurde, gab es da nichts an Arbeitsmaterial. Keine Bücherwagen, keine normalen Arbeitsmaterialien und vor allem: keine anständige Leiter.

    Ihr seht ja alle die hübschen quadratischen Holzregale auf dem Hintergrundbildchen. Das sind "meine"! Das sind (noch) die Regale der Bibliothek des Klingenmuseums in Solingen!

    Die haben eiunen Innenraum von 37x37x37cm + je 2cm Holzböden. Und davon 8 Stück in der Höhe. Mit Holz ca 3m hoch.

    Ich hatte eine alte Haushaltsleiter aus Blech am Anfang und einen Servierwagen als Bücherwagen (mein Kreuz!).


    Gehopst wie gesprungen!


    Ich mußte Bücher in eines der oberen Regal-Quadrate zurück räumen und stand auf der Haushaltsleiter mit 4. Sprosse.

    Und die brach dann an der Aufhängung durch.

    Ich kippte nach hinten auf den Servierwagen, der kippte natürlich auch um und ich knallte rücklings mit Rücken und Kopf auf das Eichenparkett.

    Das hat so laut gerummst, dass der Knall (und mein "Sch...e!") auch noch im neuen Depot 50m weiter den Gang hinunter zu hören war.

    Und da lag ich nun wie ein Krebs auf dem Rücken und zählte Sternchen.

    Unser Chef kam direkt angerannt, die Sekretärin rief den Krankenewagen.

    Ich zählte weiter Sterne.

    Der Rettungswagen kam, ich war wieder bei mir und der eine Rettungs-Sani schimpfte, das sie ständig wegen irgendwelchem Unsinn gerufen würden wo es doch garnicht nötig wäre! Immer diese Simulanten. (Gott5! Ging der mir auf den Keks!)

    Mein Chef hat dem Mann dann den Marsch geblasen (mein Kopf brummte den Tackt) und der jüngere Sani kümmerte sich sehr gut um mich.

    Im Krankenhaus gings dann sehr schnell und ich alte Simulantin hatte den Schädel angebrochen. ;)

    Was für ein Einstand innerhalb der ersten 4 Wochen am neuen Arbeitsplatz!

    Danach wurden ziemlich schnell vernünftige Leitern, ein Elefantenfuß und ein wunderschöner neuer Bücherwagen angeschafft

    und neue Regale gibts jetzt (3,5 Jahre später) endlich auch. Keins höher als 2m.

    ;)

    "Twelve highlander and a Piper makes a Rebellion" (Walter Scott) - Ich war schon immer für Rebellion! :P

  • und ich knallte rücklings mit Rücken und Kopf auf das Eichenparkett.

    Das hat so laut gerummst, dass der Knall (und mein "Sch...e!") auch noch im neuen Depot 50m weiter den Gang hinunter zu hören war.

    Autsch, das klingt gar nicht schön... Aber gut, dass es sich danach gebessert hat!

    "Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat." Helen Hayes

  • Holy Shit, Piper, du hast ja auch die Hölle hinter dir!

    Es ist manchmal der Wahnsinn, was man sich auf der Arbeit alles antun "muss".



    Mein schlimmstes Erlebnis:

    Bin vor 2 Jahren an die MSB München gewechselt, weil an der B. Stabi mein Chef seine Grenzen mir (und noch anderen jungen Frauen) nicht zu wahren wusste, wenn ihr versteht, was ich meine, und kam vom Regen in die Traufe.

    Wurde in eine kleine Stadtteilbibliothek versetzt, in der es nichts zu tun gab, der Umgangston eigentlich nur schreien, bi*tchen und sich gegenseitig angehen bestand, und die Chefin so ein liebes Mäuschen ala "Ich will eigentlich nur Kinder- und Jugendbibliothekarin sein, Leitung wollte ich nie", sodass technische Mitarbeiter sozusagen das Sagen hatten (und von dem rauen Umgangston wollen wir gar nicht reden).

    Da die Bibliothek nach 2 Wochen des Rumsitzens dort geschlossen wurde, um umzuziehen, wurde ich nach ewigem Gebettel ENDLICH in eine andere Stb versetzt, um dort eingearbeitet zu werden, meine Stb konnte ja nicht, weil Umzug. In der Neuen dann viele FaMIs am arbeiteten und es war ein Traum. Nie habe ich mich in meinen 20 Jahren Berufsleben so wohl gefühlt wie dort. Aber ich konnte ja da nicht bleiben, hab ja zu der ersten gehört, teamtechnisch.

    Habe mich dann an die Zentralbibliothek beworben, um der ersten Stb zu entkommen, und dann ging es erst richtig los. Wurde als Stellvertretung der Teamleitung des technischen Serviceteams eingestellt. Teamleitung so schlecht deutsch, nicht konfliktfähig, keine Kommunikationsfähigkeiten, kein Einfühlungsvermögen, "seine" Mitarbeiter waren die Lieblinge, der Rest schaut halt, wie er durch den Tag kommt. Team hinterlistig und falsch, und grenzenlos arrrogant, aber keiner traut sich die Klappe aufzumachen. Sprüche ala "geschieht ihr recht" oder "das hat sie sich doch selber eingebrockt", wenn ich weinend irgendwo angetroffen wurde, waren da völlig normal.

    8 Monate hab ich das durchgehalten, dann hab ichs hingeschmissen (in dem Gespräch mit der Bib-Leitung und dem Stellvertreter, als ich meine Gründe aufgezählt habe, warum ich nicht mehr kann, nämlich diese Mobbingzustände, diese Unfähigkeit zu Kommunizieren, keine Strukturen, Ignoriert werden usw. wurde ich darauf hingewiesen, dass all das ja nur passieren würde, weil ICH so schwierig sei, und ich "solle nach Hause gehen und über mein Verhalten nachdenken." ........) .

    Wurde dann durch den Personalrat auf eine "normale" FaMI-Stelle umbesetzt, und dann gings einigermaßen, aber glücklich war ich gar nicht. Die Bibliothekare an Arroganz und Elite-Denken bei unfassbaren Aussagen erwischt...

    Da aber klar war, das die Zentralbibliothek wegen Sanierung schließt, und ich da die Möglichkeit sah, der ZB endlich zu entkommen (die hatten ja auch die Schnauze voll von mir ollen Troublemakerin ala "Ich schmeiß die Stellvertretung hin"), habe ich also die Bibliotheksleitung kontaktiert, ihr gesagt, das ich gerne eine Teilzeitstelle in den Stadtteilbibliotheken hätte, damit ich im Sommer 2021 auch das Berufsbegleitende Studium Informationsmanagement beginnen kann. Ich studiere nebenbei, und bin in drei Jahren bibliothekarin, sie versetzen mich dafür in eine STB, damit ich den anstrengenden Umzug, die Interimsstandorte nicht mitmachen muss (in die Interimsstandorte gingen nämlich die Teamleitungen, die mir in den 8 Monaten schon mal das Leben zur Hölle gemacht haben).


    Nun haben sie mir mitgeteilt, das ich in die Interimsquartiere mitmuss, die Teamleitung sagte, "ich solle mich mit meinem Schicksal abfinden, und es ihr (und mir) nicht noch schwerer machen", und was mit dem Studium sei, nun ja, ich könne mich ja mal bemühen, sie würden mich unterstützen, weil sie ja ("egoistischerweise", ihre Wortwahl) lieber ne Bibliothekarin hätten als ne FaMI. Auf Nachfrage wie so eine Unterstützung aussähe, meinte sie, sie könne nichts für mich tun, außer mir alles Gute zu wünschen.


    Heißt, ich darf jetzt den Umzug mitmachen, Teilzeit kann ich mir abschminken, weil ich in den Interimsquartieren als Vollzeit eingestuft bin, Studium muss man halt mal schauen, und überhaupt darf ich in den interimsquartieren nur noch Veranstaltungsarbeit machen (und Medien abschreiben, das ist fast alles, was vom Beruf des FaMIs in München noch übrig geblieben ist, alles andere läuft zentralisisert). Das Team, das ich bisher hatte, und mit dem ich so Schwierigkeiten habe, und auch die TL bleiben mir erhalten, weswegen ich also weiterhin Schwierigkeiten auf der Arbeit haben werde.


    Und nun kommt der Hammer; die Bib-Leitung ist ziemlich sauer auf mich, weil ich (in meiner Begrenztheit) einfach nicht erkennen kann, was für eine Auszeichnung sie mir mit dieser Entscheidung haben zukommen lassen...

    (Mir ist schon klar, dass so eine komplette neue Bibliothek spannend ist, und sich da viele Chancen ergeben, aber ich bin "nur" FaMI, ich darf weder was wünschen, noch entscheiden, noch werde ich gefragt. Ich soll arbeiten, die Klappe halten und keine Ansprüche haben, und je unterwürfiger ich bin, umso besser. Funktioniert bei einer Mit-FaMI Großartig, die ist so unterwürfig, man kann ihr die schlimmsten Aufgaben geben und sie freut sich noch; sie ist die beliebteste hier.)


    Japp... schlimmstes Berufserlebnis ever.

    Da war natürlich noch viel mehr an Details und noch mehr an Vorwürfen, Vorkommnissen, endlosen Gesprächen mit Konfliktlotsen, dem (sehr handlungsunfähigen) Personalrat, Krankheiten, Überarbeitung (weil mir gedroht wurde, das ich jetzt "richtig ranklotzen müsste", um meine Verfehlung eine Stellvertreterstelle hinzuwerfen wieder gut zumachen, wie kann ich auch nur wagen, sowas zu tun), Demütigung und absolutes Nicht-Ernst-Genommen werden auf menschlicher und beruflicher Basis.


    Ich hoffe, ich war jetzt nicht zu offen mit meinem Text hier :/ Aber ich bin so "done" mit dem Verein hier und es tat grade so gut, mir all das von der Seele zu schreiben. Nun schaue ich mich nach Alternativen um, andere Stellen, oder ein ganz anderer Beruf, weil ich kann echt nicht mehr.