Studium oder Ausbildung?

  • Liebe Famis, solche, die es werden wollen, solche, die es einmal waren, vielleicht auch Studierte?


    Ich stecke in einer schweren Entscheidung. Klar ist für mich: Ich will in die Bibliothek! Habe bereits ein Studium im Bereich Pädagogik abgeschlossen, habe aber bei meiner Arbeit au studentische Hilfskraft gemerkt: Hier schlägt mein Herz, ich möchte in einer Bibliothek arbeiten :)

    So weit, so gut, nun stehe ich vor der Frage: Lasse ich mich ausbilden oder studiere ich den Bachelor?


    Wie ich das bis jetzt verstanden habe, sind die Berufsaussichten, egal, welchen Abschluss man hat, nicht rosig. Bei der Wahl des Weges (Studium ode rAusbildung) geht es wohl eher darum, später auch in höhere Positionen zu kommen und mehr Gehalt zu bekommen

    Ich muss sagen, dass mir Geld nicht besonders wichtig ist, ich bin es als Studentin gewohnt, mit wenig auszukommen. Aber trotzdem sagt eine leise, nagende Stimme in mir: Studier doch lieber gleich, als nachher berufsbegleitend ein stressiges Studium schmeißen zu müssen, das dich als Fernstudium zudem Geld kostet.


    Aber mein Bauch sagt mir: Ich würde so gerne endlich anfangen, das zu tun, was mir Spaß macht: Loslegen und Arbeiten, erstmal Geld verdienen und das Berufsfeld kennenlernen. Da wäre die Ausbildung natürlich angebracht. Und zudem habe ich auch gehört (aber auch da scheiden sich die Geister;)): Berufserfahrung sei das Einstellungskriterium. Der Königsweg wäre dann ja wohl, als Fami zu arbeiten, Berufserfahrung zu sammelnund sich im Fernstidum weiterbilden lassen und so später auch in höhere Positionen kommen zu können.


    Wie ist eure Einschätzung, lohnt es sich, gleich zu studieren und 3 Jahre "Warten" in Kauf zu nehmen, ehe man in den Beruf startet, oder ist es besser, sich ausbilden zu lassen und (wenn man dann noch möchte) sich per Fernstudium berufsbegleitend weiterbilden zu lassen oder nochmal Vollzeit zu studieren?

    Hat vielleicht jemand ein Fernstudium absolviert? Oder ein Vollzeitstudium nach der Ausbildung?

    Ich freue mich auf Eure Antworten! Lieben Gruß aus Leipzig.

    Jo

  • ich empfehle dir, sich erstmal ausbilden zu lassen. wenn du dann die aufgaben als nicht herausfordernd genug empfindest, kannst du immer noch den bachelor draufsetzen.

    ich habe auch erstmal die ausbildung gemacht und ließ die möglichkeit eines bachelors noch offen. bislang kann ich net sagen, dass ich die ausbildung bereue.

    Coco Bandicoot:
    [Crash attacks her] I'm telling mom! If we had one.
    Coco: Ouch! All right! I'll get revenge when you're sleeping!

  • Hallo Josephine,


    Ich bin gerade in der Ausbildung FR Archiv und hänge danach das Studium dran.


    So wie ich das jetzt verstanden habe, hast du noch nicht wirklich in das Berufsfeld reingeschaut, von deiner Zeit als Hilfskraft mal abgesehen.

    Da du, wie du ja selbst sagst am liebsten direkt schon berufspraktische Erfahrung sammeln möchtest und du auch mit geringem Gehalt auskommst, würde ich dir zur Ausbildung raten. Da hast du dann direkt die praktische Realität vor dir und bekommst einen super Einblick in den Beruf. Danach kannst du ja immer noch das Studium draufsetzen, in welcher Form, ob Fernstudium oder Vollzeit, ist ja dann dir überlassen.

    Wenn du zuerst studierst, hast du 3 Jahre Theorie hinter dir nur um danach festzustellen, dass es in der Realität vlt. ganz anders aussieht als gedacht. Dann wären drei Jahre Studium umsonst.


    Ein weiterer Vorteil der Ausbildung: Du hast am Anfang der Ausbildung eine Probezeit. Sollte dir also auffallen, dass es vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei ist oder du doch lieber noch ein wenig länger Studentin sein möchtest, kannst du die Ausbildung jederzeit abbrechen.

    Außerdem hat man für ein evtl. später folgendes aufbauendes Studium schonmal das Grundlagenwissen und vor allem Dingen den Praxisbezug. Gerade dieser fehlt in einem Studium ja glaube ich eher (wenn man von Praktikumszeiten mal absieht).


    Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht: man sollte auf sein Bauchgefühl vertrauen. Dann macht alles auch mehr Spaß wenn man schon mit Herzblut an die Sache rangeht. Sonst sitzt du nachher im Studium und denkst dir die ganze Zeit "Was wäre wenn..." und du trauerst unbewusst dieser nicht getroffenen Entscheidung nach.


    Ich hoffe, meine Gedanken dazu helfen dir ein wenig weiter in deiner Entscheidungsfindung.

    Bei mir ist es nämlich so ähnlich: Wollte nach dem Abi eine Ausbildung starten um mal aus dem ganzen schulischen rauszukommen und endlich mal Praxis zu haben. Während der Ausbildung jetzt habe ich dann gemerkt, dass der Beruf zwar grundsätzlich was für mich ist und er mir auch mega Spaß macht. Allerdings macht mir Schule und lernen mehr Spaß als nur die Arbeit, weshalb ich das Studium dranhängen möchte anstatt 5 Tage die Woche zu arbeiten.


    LG

    Sunshine1611

  • Die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass viele das Studium schmeißen und wenn man es nicht schaffen sollte, steht man ohne was da.

    Wenn man eine Ausbildung hat, kann man dann wenigstens auf etwas zurückgreifen, falls das Studium in die Hose geht(Oh Gott ich hör mich wie meine Eltern damals an).

    Gab endlose Diskussionen mit meinen Eltern. Wollte nach der Schule gleich studieren, meine Eltern plädierten auf ne Ausbildung und letztendlich haben die sich durchgesetzt,dass ne Ausbildung erstmal mehr Sinn ergibt..

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  • Ich mach meine Ausbildung gerade in einer WB und wir bilden auch Leute für die Q3 aus (Bibliothekar*in an wissenschaftlichen Bibliotheken).

    Und ich muss sagen, ohne jetzt irgendwie überheblich klingen zu wollen, man merkt schon einen Unterschied zwischen mir und meiner Azubi-Kollegin und den Studenten, die bei uns ihre Praxissemester absolvieren. Es fehlt einfach der Praxisbezug und das wirklich regelmäßige Arbeiten, über drei Jahre hinweg.

    Außerdem habe ich das Gefühl, ist zumindest bei uns so, dass wir FaMIs irgendwie etwas universeller ausgebildet werden. Bei den Bibls wird irgendwie davon ausgegangen, dass sie später mal eine höhere Position bekommen, weswegen sie in manche, eher unspektakuläre und "einfachere" Bereiche teilweise gar keinen Einblick bekommen. Und wenn sie einen Einblick bekommen dann, dadurch dass sie nur diese kurzen Praxissemester haben, einen sehr kurzen.

    Das bisschen mehr an Theorie, was man vielleicht im Studium lernt, lernt ein FaMI eben in der Praxis.


    Es gibt natürlich auch nochmal einen Unterschied zwischen WB und ÖB, vor allem beim Studium.

    Im Endeffekt musst du es selber entscheiden, aber wenn du jetzt schon sagst, dass du endlich gerne anfangen und etwas "tun" möchtest, würde ich dir erstmal zur Ausbildung raten. Und wenn du merkst, dass es dich unterfordert, kannst du ja vielleicht verkürzen.


    Bei der Wahl des Weges (Studium ode rAusbildung) geht es wohl eher darum, später auch in höhere Positionen zu kommen und mehr Gehalt zu bekommen

    Ganz genau. Im Endeffekt können die Bibls und die FaMIs, sobald sie Studium bzw Ausbildung abgeschlossen haben, nicht wirklich mehr oder weniger als der andere. Habe diese Erfahrung schon sowohl in einer ÖB, als auch jetzt in meiner WB gemacht. Am Ende dreht sich alles um die Eingruppierung und die Verantwortung, die man dir überträgt. Ich persönlich habe im Moment kein großes Bedürfnis mal "Chefin" zu werden und Geld ist für mich auch nicht alles, deswegen reicht mir die Ausbildung vollkommen.


    Wie ich das bis jetzt verstanden habe, sind die Berufsaussichten, egal, welchen Abschluss man hat, nicht rosig.

    Das würde ich gar nicht mal so sagen. Jetzt und vor allem in den nächsten Jahren findet quasi der große Generationenwechsel statt, weswegen viele Stellen neu besetzt werden müssen. Vor ca. 10 Jahren hatte man es als FaMI auf jeden Fall schwerer als jetzt. Und die Übernahmechancen sind meistens auch relativ gut, da viele Bibliotheken auch für sich selbst ausbilden.

  • das kann man so pauschal nicht sagen.

    z. B. gab es auch schon Fälle, ging eine Kollegin nach einem Jahr seit man da anfing in Rente und die Stelle wurde bis heute auch nach Jahren nicht neu besetzt und man durfte ihre Aufgaben noch zusätzlich übernehmen und das obwohl man weiss, dass man sich nach knapp 5 Jahren langsam mal was festes wünscht. Fest angestellte Kollegen sagten auch schon in obigen Fall, man würde bei einem Wechsel ne grosse Lücke hinterlassen.

    Da hat der Arbeitgeber Glück, dass die Mitbewerber mehr Berufspraxis vorweisen können.

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  • Hallo Ihr Lieben,


    vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten. Das macht mir insgesamt Mut, erstmal meinem Bauchgefühl zu folgen und mich ausbilden zu lassen. Ich habe da eine kleine, feine WB im Auge, wo ich auch die Azubine schon kenne. Sie meint, ihr wird dort auch viel Verantwortung übertragen. Wenn ich diese Stelle bekäme, wäre das ein Traum :)


    Dass man nach einem Bachelor nicht wirklich mehr kann als nach einer Ausbildung, war auch immer bisher mein Eindruck ;) Und eben, wenn ich später merke, ich möchte mehr machen, kann ich immernoch das Studium hintendranhängen.

    Euch ein schönes Wochenende ab morgen!

    Jo

  • Ich würde mich nicht nur auf eine Ausbildungsstelle bewerben, sondern auf alle, die dir zusagen oder die sich im Umfeld befinden. Kann ja keiner garantieren, dass das bei der kleinen WB klappt.

    Lesen macht total viel Spaß!!! ;)


    "Gibt es etwas Beglückenderes, als einen Menschen zu kennen mit dem man sprechen kann wie mit sich selbst? Könnte man höchstes Glück und tiefstes Unglück ertragen, hätte man niemanden, der daran teilnimmt? Freundschaft ist vor allem Anteilnahme und Mitgefühl!"
    Marcus Tullius Cicero


    Früher Eve1992 - Ihr könnt mich aber trotzdem weiterhin Eve nennen. ;)

  • Ich würde mich nicht nur auf eine Ausbildungsstelle bewerben, sondern auf alle, die dir zusagen oder die sich im Umfeld befinden. Kann ja keiner garantieren, dass das bei der kleinen WB klappt.

    kann ich unterschreiben. Hatte mich auch bei allen Bibliotheken, die ausbildeten beworben und bei einer hatte es dann geklappt.

    Falls du nach einer Bewerbung eingeladen wirst, empfehle ich dir, sich auf die Einstellungstests vorzubereiten. Sobald der Test läuft, zählt das Testergebnis, wer in die nächste Runde, dem Vorstellungsgespräch, kommt. Meist kamen da Diktate und so Zahlenrätsel dran.^^

    und wenn man mal einen Einstellungstest nicht schafft, nicht traurig sein. Ich hab ein paar auch nicht geschafft (vor allem Sudoku bei der DNB brach mir das Genick) und trotzdem habe ich die Famiausbildung geschafft^^

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  • Falls du nach einer Bewerbung eingeladen wirst, empfehle ich dir, sich auf die Einstellungstests vorzubereiten. Sobald der Test läuft, zählt das Testergebnis, wer in die nächste Runde, dem Vorstellungsgespräch, kommt. Meist kamen da Diktate und so Zahlenrätsel dran.^^

    Trainingsbücher gibts im Buchhandel. Für Einstellungstest aber auch mal die Homepage der Uni/Stadt sich anschauen. Ich meine, ich wurde in Hessen mal bei einer Stadt nach OB oder so gefragt im Test. Als Nicht-Bürgerin etwas doof, aber ich habs trotzdem damals weitergeschafft.

    Lesen macht total viel Spaß!!! ;)


    "Gibt es etwas Beglückenderes, als einen Menschen zu kennen mit dem man sprechen kann wie mit sich selbst? Könnte man höchstes Glück und tiefstes Unglück ertragen, hätte man niemanden, der daran teilnimmt? Freundschaft ist vor allem Anteilnahme und Mitgefühl!"
    Marcus Tullius Cicero


    Früher Eve1992 - Ihr könnt mich aber trotzdem weiterhin Eve nennen. ;)

  • Trainingsbücher gibts im Buchhandel. Für Einstellungstest aber auch mal die Homepage der Uni/Stadt sich anschauen. Ich meine, ich wurde in Hessen mal bei einer Stadt nach OB oder so gefragt im Test. Als Nicht-Bürgerin etwas doof, aber ich habs trotzdem damals weitergeschafft.

    bei welcher stadt war das denn?

    bei einem fragten die auch nach den Oberbürgermeister sowie denen der weiteren Stadtteile.


    in einer Uni wollten die sogar mal wissen, wie der Universitätspräsident heisst und man sollte 2 Fächer nennen, die man da studieren kann.

    (bei den meisten Vollunis sind die Fächer die gleichen)

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  • Hallo Josephine,


    mach ruhig erstmal eine Ausbildung. Und für später würde ich die ÖB empfehlen. Der ganze Bibliothekssektor befindet sich in den nächsten Jahren im großen Umbruch. Was man hat, das hat man. :-)